Küken-Aufzucht

Niemand kann so gut Taubenküken aufziehen, wie Taubeneltern.

Dennoch kann das menschliche Eingreifen dringend nötig sein. Dies kann der Fall sein, wenn z.B. ein Elternteil verunglückt, ein Nest von den Eltern aufgegeben wird, das Küken krank ist oder die Eltern sich einen sehr gefährlichen Ort für das Nest ausgewählt haben.

Die Aufzucht eines Tauben-Kükens, insbesondere sogenannter Gelblinge, gehört in erfahrene Hände

Gelblinge erkennt man, am Namen unschwer erkennbar daran, dass diese Babys anstelle von Federn einen gelben Flaum besitzen, der diese jedoch kaum wärmt und diese in den ersten 14 Tagen ihre Körpertemperatur noch gar nicht selbständig halten können. Die Eltern wechseln sich daher gerade in dieser Phase mit dem Brüten nahezu lückenlos ab, damit das Baby nicht auskühlt.

Wenn Küken nicht von den Eltern großgezogen werden können, und jünger, als 14 Tage alt sind, muss der Mensch künstlich für eine Umgebungstemperatur von 35 bis 38 Grad sorgen. Manche Pflegestellen haben jedoch das Glück, geeigneten Ammen-Tiere zu haben, denen man versuchen kann, diese Babys sprichwörtlich „unterzuschieben“.

Für Wärme zu sorgen, ist die allererste und wichtigste Maßnahme zur 1. Hilfe, wenn man ein solch, junges Tauben-Küken aufnimmt!

NIEMALS, WIRKICH NIEMALS!!! darf ein Laie versuchen, einem Vogel etwas in den Schnabel zu geben:

Vögel haben eine von uns Säugetieren stark abweichende Anatomie u.a. im Kopfbereich: diese haben keinen Kehlkopf, wie wir. Anstelle dessen liegt die Öffnung der Luftröhre bei Vögeln, also auch bei Tauben am Ende, am Grund der Zunge. Durch unsachgemäßes Einbringen von Futter oder Wasser kann es sehr leich zum Ersticken des Tieres kommen.

Taubeneltern füttern ihre Kleinen während der ersten Tage mit der sogenannten Kropf-Milch, einem sehr nährstoffreichen Sekret, das beide Elterntiere im Kropf bilden: eine absolute Besonderheit im Vogelreich! Für die Aufzucht durch Menschenhand kann man im Fachhandel eine spezielle Fertignahrung bekommen. Diese ist zwar nicht so perfekt, wie die natürliche Kropf-Milch, aber ausreichend gut auf die Bedürfnisse von Taubenküken abgestimmt. So ist man auch als Mensch auf der sicheren Seite.

Sobald ein Taubenküken ungefähr faustgroß ist, kann es schon Körner essen. Taubenküken wachsen in dieser Phase unglaublich schnell, brauchen also entsprechend viel Nährstoffe, um dies zu bewerkstelligen. 50 % des Körpergewichts brauchen sie so, auf fünf bis sechs Portionen aufgeteilt, täglich an Körnern.

Taubenkinder, die beim Menschen in Sicherheit aufwachsen, unternehmen gerne schon sehr früh kleine Ausflüge in die Umgebung und flattern herum. Für Taubenkinder, die in der Stadt aufwachsen, wäre so ein Verhalten jedoch ihr sicheres Todesurteil. Diese halten sich daher noch längere Zeit nur in der relativ, sicheren Umgebung des Nestes auf.

Wenn man also ein Taubenküken in der Stadt auf dem Boden sitzend sieht, muss man erst mal davon ausgehen, dass es hilfebedürftig ist!

Ab ungefähr dem 50. Lebenstag kommen Taubenkinder in den Stimmbruch (was, wie bei uns Säugetieren auch sehr lustig klingen kann 😍). Gleichzeitig beginnt die bis dahin rosa Nasenwarze (also die „Nasenflügel“ mit den Nasenöffnungen) sich nun langsam, weiß zu färben. Die ehemaligen Babys sind nun meist auch in der Stadt schon sehr selbständig, werden aber oft von den Eltern auch noch außerhalb des Nestes mehr oder weniger stark gefüttert. Sie beginnen also, immer selbständiger selber, meistens noch zusammen mit den Eltern, die Umgebung zu erkunden und auch schon selber Nahrung zu suchen. Aufgrund leider noch fehlender Erfahrung mit den vielfältigen Gefahren unserer Städte sind besonders diese Tiere von teils schlimmen Unfällen betroffen.

Wenn bis dahin aber alles gut geht, sind Tauben bereits mit einem halben Jahr fortpflanzungsfähig. In der Betreuung des Menschen können diese wunderbaren Tiere locker 15, teilweise 20 Jahre alt werden, wie der sich in unserer Obhut befindliche Brieftauben-Opi (man beachte die RIESIGE Nasen-Warze, bevor man sich bitte dem Brieftauben-Verbands-Ring zuwendet!) ❤️.

Unter den widrigen Bedingungen unserer Städte mit ihren vielen Gefahren und meistens völlig ungeeignetem Futter, aus dem unweigerlich Mangelernährungen resultiert, werden diese verwilderten, von domestizierten Tiere abstammenden Stadttauben leider meist nur wenige Jahre alt …


Es sind keine Kommentare vorhanden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert