Eine der wohl wichtigsten und langfristig wirksamsten Aufgaben eines Stadttauben-Vereins ist der Eiertausch. Dadurch kann die Population, zumindest bis zu einem gewissen Maß, unter Kontrolle gehalten werden. Dies ist nicht nur wichtig, da Menschen Tauben als unschön empfinden, sondern auch um das viele Leid der Tauben verhindern zu können, da Stadttauben ausgesetzte Haustiere bzw. deren Nachkommen sind und nicht für ein Leben in der Stadt gemacht sind.
Ein Taubenpaar legt bis zu acht Mal im Jahr jeweils zwei Eier und brütet diese aus. Nach 6 Monaten sind die Jungtauben geschlechtsreif und können selbst Eier legen. Bei 1500 Stadttauben in der Mülheimer Innenstadt könnten sich die Tauben dadurch extrem schnell vermehren. Hinzu kommt der angezüchtete Brutzwang. Da Tauben früher als Nutztiere gehalten wurden, wurden sie so gezüchtet, dass sie unter jeglichen Bedingungen, wie Frost, Futterknappheit, Krankheiten und sogar kurz vorm Tot, Eier legen. Deshalb ist auch das in den meisten Städten geltende Fütterungsverbot zwecklos.
Stattdessen gibt es eine nachhaltige Lösung, die den Tieren nicht schadet und für eine verlässliche Populationskontrolle sorgt: den Eiertausch. Dafür treffen sich ca. alle 1 bis 2 Wochen mindestens zwei Ehrenamtliche und arbeiten die bekannten Nester ab. Diese sind meist einige Meter in der Höhe, meist an Nischen, wie zum Beispiel unter einer Brücke, und dadurch nur mit einer Leiter erreichbar. Über diese kann dann eine Person die Eier tauschen, während eine zweite Person die Leiter sichert.
Die befruchteten Eier werden vorsichtig aus dem Nest entnommen und gegen markierte, vorgewärmte Plastikeier getauscht. Um sicher zu gehen, dass die Eier noch nicht zu weit entwickelt sind, werden sie mit einer Taschenlampe durchleuchtet, sodass man erkennen kann, ob sich im Inneren schon ein Embryo entwickelt hat. Ist dies nicht der Fall, wird das Ei zusammen mit anderen gesammelt und nach dem Eiertausch ins Gebüsch gelegt, um als Nahrung für Wildtiere zu dienen. Die Taubeneltern brüten dann auf den Plastikeiern weiter und merken vom Tausch nichts. Würde man nur die Eier entnehmen und sie nicht durch Plastikeier austauschen, könnte es zur Legenot der Täubin kommen. Das heißt, dass sie in den Zwang kommen würde, mehr Eier zu legen, diese aber im Darm bzw. der Kloake stecken bleiben. Wird dies nicht früh genug behandelt, führt es mit hoher Sicherheit zum Tod der Taube.
Wir als Ruhrpott-Tauben sind an verschiedenen Stellen in Mülheim aktiv und können dadurch über 1000 Eier pro Jahr tauschen. Dabei fallen immer wieder alte Stellen weg und neue kommen hinzu. Teilt uns doch gerne mit, wenn Ihr Stellen kennt oder vielleicht Taubennester bei Euch im Garten oder auf dem Balkon habt. Neue Helfer/innen sind bei uns auch immer willkommen und werden ständig gesucht. Melde Dich gerne, wenn Du Interesse hast!

unter einer Schienenunterführung.



